Unsere Reise nach Tibet startete um vier Uhr früh mit einer Taxifahrt zum Flughafen. Selbst beim Abflug war es noch dunkel. Leider hatten wir von Anfang an keinen Fensterplatz, aber auf Nachfrage hat uns die nette Flugbegleiterin umgesetzt und wir konnten den Sonnenaufgang über dem verschneiten Himalaya bewundern. Im Gegensatz zur Aussicht war das Essen im Flugzeug ein matschiger Witz: geschmackloser Reisbrei mit scharfem eingelegten Tüten-Rettich. Völlig irritiert beobachteten wir wie die Chinesen klaglos zu essen begannen.

Wie schon angedeutet, ist eine Reise durch Tibet für Ausländer nicht ganz problemlos. Unter anderem dürfen wir nicht die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und müssen stattdessen einen Wagen inklusive Guide und Fahrer mieten. Das macht einen Tibetaufenthalt unglaublich teuer.
Am Flughafen in Lhasa wurden wir von unserem Guide Tara empfangen. Zunächst waren wir froh darüber, dass sie und der Fahrer Tibeter waren, da wir glaubten, durch sie einen sehr guten Einblick in die tibetische Kultur zu erhalten. Da wir im Konjunktiv schreiben, könnt ihr euch denken, dass wir noch ziemlich enttäuscht werden sollten...

Lhasa liegt auf etwa 3700 m Höhe und die dünne Luft hat uns in Kombination mit dem Schlafmangel gerade am ersten Tag schon zu schaffen gemacht. Im ersten International Youth Hostel, in das wir einchecken wollten, waren wir als Ausländer nicht erlaubt (!), im zweiten Hostel hatten wir mehr Glück. Für unglaubliche 1,50 Euro pro Bett im Dormitory haben wir bisher die günstigste Übernachtung gefunden. Das Hostel lag zudem in der tibetischen Altstadt Lhasas. Allerdings war es wirklich kalt, so dass wir sogar die Daunenjacke im Zimmer anlassen mussten. Es sah zum Teil wirklich seltsam aus, dass manche Leute sogar zum Zähneputzen im Gemeinschaftsbad die dicken Winterjacken anhatten.
Da wir den Reisbrei im Flugzeug verschmäht hatten, sind wir sehr bald in unserer Reisegruppe mit knurrendem Magen und unserem Guide auf die Suche nach einem zweiten Frühstück gegangen. In einem Restaurant haben wir tibetische Momos (mit Yakfleisch oder Gemüse gefüllte Dumplings bzw Maultaschen) und Yakbuttertee probiert. Während unseres Besuches kamen immer wieder Bettler in das Restaurant. Manche von denen sind wirkliche Pilger, aber viele leben in absoluter Armut...

Am zweiten Tag in Lhasa waren wir morgens im Jokhang-Tempel. Erstmal waren wir vollkommen über den hohen Eintrittspreis verärgert. Zudem mochten wir es nicht, dass wir als Touristen einen Sondereingang hatten und mit einer Schnur von den Pilgern abgetrennt waren. Zusätzlich haben wir uns die ganze Zeit über das unglaublich schlechte Englisch von Tara aufgeregt. Schon in dem Restaurant gestern war es sehr schwer sie zu verstehen und wir mussten teilweise fünfmal nachfragen, weil sie alles vollkommen falsch ausspricht und betont. In dem Tempel meinte sie dann: "Here no cat". "Gut", dachte ich mir, "keine Katzen im Tempel." (was auch immer sie damit meinte). Sie wiederholte diesen Satz dann ungefähr zwei Minuten lang immer wieder und endlich kapierte ich, dass sie meinte, dass ich meinen Hut ("hat", nicht cat!) abnehmen soll! So ging das die ganze Zeit weiter, wir mussten die ganze Zeit überlegen, was sie sagen wollte und viel schlimmer war noch, dass sie erstens absolut unfähig war unsere Fragen zu verstehen und erst recht nicht in der Lage war diese zu beantworten. Selbst die beiden Australier haben nach zehn Minuten aufgegeben sie zu verstehen. Zudem war sie der Meinung, dass wir schon alles über den Buddhismus wissen und ihre Erklärung zu den einzelnen Kapellen war nur: "This is the chapel of wweguheroögheroögfvnjbaegröwsbn". Das war's, keine weitere Erklärung, weiter zur nächsten Kapelle. Fürchterlich! Wenn wir sie dann gefragt haben: "Who is wweguheroögheroögfvnjbaegröwsbn?", antwortete sie nur: "Oh, you don't know? Very important!" AAAAAHHHH!
Trotzdem war der Jokhang unglaublich sehenswert! Es war ein totales Geschiebe und Gedrängel, da wir als Touristen natürlich die Statuen bewundern, während die Tibeter sich davor verbeugen und Geld spenden wollten. Die Pilger bringen kiloweise Yakbutter und -fett mit in die Tempel, das sie in die Feuerschalen kippen, um den Kerzendochten darin Nahrung zu geben. Dieser Geruch schwängert dann in Verbindung mit immensem Weihrauch alle Räume und ist eigentlich unbeschreiblich: aufdringlich, passend und nach zwei Stunden kopfschmerzerregend. Innenfotos waren leider wieder nicht erlaubt. Abschließend waren wir auf dem Dach des Tempels und haben die davor betenden Tibeter bestaunt. Zwischen diesen ganzen friedlichen Pilgern und Gebetsmühlen-schwenkenden Gläubigen wirkten die mit dem Maschinengewehr bewaffneten chinesischen Soldaten einfach nur lächerlich.



Blick vom Jokhang Tempel auf den Barkhor.

Ebenso lächerlich fanden und finden wir die ganze Schikane mit dem Anheuern eines Guides, denn nach dem Tempelbesuch hatten wir einfach freie Zeit und haben uns vollkommen frei in der Stadt bewegt. Iris, Sven und ich haben immer die ganze Zeit zusammen verbracht, während ziemlich schnell klar war, dass Peter und Dean ihr eigenes Ding durchziehen wollten und so wenig Zeit wie möglich mit uns verbracht haben. Ich fand das sehr schade, denn ich hatte mir eine tolle Gruppe gewünscht, die jeden Abend mit dem Guide und evtl. sogar dem Driver abends zusammen essen geht. Am Nachmittag sollte in das Sera-Kloster gehen. Der Eintritt war wieder unglaublich hoch und da wir kein Bock auf Taras unverständliches Gebrabbel hatten, haben wir beschlossen nicht mitzukommen, sondern sind auch mal durch das chinesische Lhasa gelaufen - es was schrecklich! Unglaublich, was die Chinesen mit der Stadt in so kurzer Zeit gemacht haben! Aber es war trotzdem gut, dass wir auch mal die schlechte Seite Lhasas gesehen haben. Iris war mit im Sera-Kloster und hat heimlich Videos gemacht, so dass wir auch davon einen kleinen Eindruck bekommen konnten



An unserem letzten Tag in Lhasa ging es dann endlich in den Potala-Palast! Der Eintritt war noch höher als im Jokhang-Tempel und es waren trotzdem mehr Touristen unterwegs, vor allem Chinesen, die ja völlig problemlos hier reisen können. Die Innenräume wurden bei der Annexion durch China teilweise zerstört und viele Räume sind nicht zugänglich. Die anderen Räume wirkten teilweise wirklich wie gerade erst verlassen, aber manche machten auf uns eher den Eindruck als ein Museum. Die Ausstattung war prächtig und Sven konnte daher die Finger nicht von der Kamera lassen, ich hab ihn dabei, wie versprochen, unterstützt und vor den Aufpassern gewarnt ;)
Unglaublich eindrucksvoll waren die Grabmäler der 13 Dalai Lama: ein einzelner Riesensarkophag bestand teilweise aus 870 kg Gold, die ganzen Edelsteine und weiteren Verzierungen nicht zugerechnet! Toll fanden wir es auch, dass alles in einem schummerigen, nach Weihrauch duftenden Raum lag und nicht zur Show gestellt wurde.






Unser einziger Gruppenausflug führte uns zu einem nahe gelegenen Teehaus, wo wir zusammen wieder Yakbuttertee getrunken haben, dieses Mal aber mit Zucker versüßt. Sven fand ihn wirklich gar nicht so schlecht, während ich ein Getränk aus markant riechender, geschmolzener Yakbutter einfach nicht runter bekommen habe... Tara wollte gleich weiter zu einem weiteren Kloster, aber niemand von uns hatte noch wirklich Lust und Energie. Ein Highlight pro Tag ist wirklich genug! Sven wollte noch unbedingt ein Foto vom Potala haben, das aus den davor liegenden Bergen aufgenommen wurde. Daher haben wir uns auf den Weg dahin gemacht. Kilometerlang sind wir an den trockenen Straßen entlang marschiert, bis wir endlich einen guten Aussichtsberg gefunden haben und diesen hochgekraxelt sind. Wegen der Höhe sind wir nur ganz langsam vorgegangen und außer dass wir schnell außer Atem geraten sind, ging es uns dabei ganz gut. Die Aussicht hat dann auch die Anstrengung entschädigt und der strahlend blaue Himmel mit Sonnenschein hat auch alle Strapazen gemildert. Der Rückweg entpuppte sich dann leider als noch länger als der Hinweg, so dass wir per Anhalter zurückgefahren sind. Wir fanden das sehr mutig von dem Tibeter, denn normalerweise dürfen diese keine Ausländer befördern.





Abends haben wir nochmal Nachtbilder von und Lightpaintingbilder vor dem Potala gemacht, der nachts ganz toll beleuchtet wird, kein Glitzerkitsch wie in China, sondern eine ganz dezente Bestrahlung, die einfach großartig aussieht. Nun haben wir sicherlich genug Potala-Eindrücke für die nächsten 20 Jahre :)


Am nächsten Morgen ging es früh um acht Uhr auf Richtung Shigatse. Unsere Tour sah eine Fahrt entlang des sog. Friendship-Highways bis zur Grenze nach Nepal vor. Zunächst ging es zum Yamdrok-See. Dieser schimmert eigentlich in allen möglichen Türkis- und Blautönen, aber leider war er komplett zugefroren... So ein Ärger! Trotzdem haben wir den Stopp genossen. Ärgerlich war mal wieder Tara, die nicht in der Lage war, irgendetwas über den See zu sagen (wie tief, wie der Berg im Hintergrund heißt, etc.), so dass wir zur Beantwortung unserer Fragen in Iris' Reiseführer gucken mussten. Unser Fahrer war auch nervig, da er uns kaum Zeit zum genießen lassen wollte und mehrmals auf die Hupe gedrückt hat, damit wir zum Auto zurückkommen sollen. Das haben wir natürlich tunlichst ignoriert und zur Strafe ist er dann umso schneller in die Kurven geprescht...

Generell waren viele Tiere (Yaks, Ziegen, Schafe, Hühner und Hunde) auf der Straße und wir mussten mehrmals scharf bremsen. Eine kleine Ziege haben wir dann aber doch komplett erfasst, so dass sogar das Blech des Wagens komplett zerrrissen war und die arme Ziege von der Wucht in den Straßengraben geschleudert wurde! Wir können nur hoffen, dass sie dort einen raschen Tod gefunden hat...

Die Landschaft in Tibet kann man sich ungefähr so vorstellen wie die Berge auf der Sinai-Halbinsel in Ägypten: braun, trocken, zerklüftet. Eigentlich unvorstellbar, dass Schäfer dort für ihre Herden Nahrung finden. Mitten aus dem Nichts sind dann auch immer wieder kleine tibetische Dörfer aufgetaucht.
Wir haben an einem weiteren See gehalten und hier war Taras Englisch wirklich katastrophal, denn sie zeigte immer nur auf den Aufsichtspunkt und meinte "jam" (= Marmelade???). Nachdem wir vor dem See standen, glaubten wir, dass sie wohl "jade" meinte, denn der See war komplett jadefarben und sah fantastisch aus.



Am Nachmittag waren wir dann in Gyantse und sollten uns das dortige Kloster angucken. Sven hat so getan als ob er nur auf Toilette gehen würde, hat sich dann aber schnell das Kloster angeguckt und meinte, dass es sich überhaupt nicht lohnen würde. Ich wollte aber unbedingt den Kumbum-Stupa der 100.000 Buddhas (ein Kultbau des tibetischen Buddhismus) sehen. Hier war Tara wirklich mal nett, indem sie den Eintritt fordernden Mönch davon überzeugt hat, dass ich eine arme kleine Studentin bin, die kaum Geld hat, aber wahnsinnig an dem Stupa interessiert ist und ob sie nicht bitte bitte kostenlos hereindürfte ;) Während ich die tollen Statuen in den Seitenkapellen bewundert habe, sind Sven und Iris in den Straßen rumgelaufen und haben eine tibetische Spezialität entdeckt: verbrannte Ziegenköpfe! Na dann, Mahlzeit! Wir hatten überhaupt keine Zeit uns Gyantse weiter anzugucken, da unser Driver zur Eile gemahnt hat. Wir fanden das echt schade, denn ein Klosterbesuch gibt uns unserer Meinung nach keinen Einblick in das derzeitige tibetische Leben.




Gehautete, kopflose, Ziegen neben dem Eingang zu unserem Hostel.

Abends kamen wir in Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets, an. Unsere Vermutung, dass Tara eventuell in den Hostel Provision bekommt, wenn sie uns dort unterbringt, bestätigte sich, als sie unser Wunsch-Hotel als für geschlossen erklärte und uns zu einem anderen Hotel fahren ließ. Dort haben wir einen makaberen Anblick erlebt: die kopflosen und gehäuteten Ziegen wurden an den Fleischständen in einer Sitzhaltung verkauft! Nun ja, andere Länder, andere Sitten.
Wie in Lhasa konnten wir uns natürlich frei bewegen und bei unserer Suche nach einem Restaurant haben wir unser Wunsch-Hotel angesteuert und es war natürlich nicht geschlossen. Wie unser Verhältnis zu Tara die nächsten Tage war, könnt ihr euch dann sicherlich vorstellen... Dafür haben wir uns mit Iris immer besser verstanden und uns auch für den Rest der Reise mit ihr ein Zimmer geteilt. Sie war einfach unglaublich nett, aufgeschlossen und es hat Spaß gemacht mit ihr über Gott und die Welt zu reden.

In Shigatse steht die Festung Shigatse Dzong, die als Vorbild für den Potala-Palast diente und tatsächlich wie eine Miniaturausgabe aussieht. Leider haben wir diese Residenz nicht besichtigt, sondern waren im Tashilhunpo-Kloster, dem Sitz des Panchen Lama (das zweithöchste tibetische Oberhaupt nach dem Dalai Lama). Sven und ich waren die einzigen, die es noch einmal mit Tara als Guide versucht haben... Nachdem relativ schnell klar wurde, dass sie nicht in der Lage war mehr als einen einzigen Satz zu dem Koster zu sagen, den sie aber ständig wiederholte ("In summer many people coming here" !!!!!!!!), bin ich echt ungehalten geworden. Zusätzlich hat die ganze Zeit ihr Handy geklingelt und als wir aus dem Kloster raus waren, erfuhren wir, dass unser Driver die ganze Zeit angerufen hat, weil er der Meinung war, 20 Minuten reichen für einen Klosterbesuch! Dafür war mein persönliches Highlight eine Tibeterin, die anscheinend noch nie in ihrem Leben zwei blonde Touristen gesehen und uns vollkommen verklärt wie Engel angelächelt und ganz scheu über mein Haar gestrichen hat :) Zusätzlich waren die Grabmäler der vorherigen Panchen Lamas sehr eindrucksvoll.

Anschließend ging es einfach nur weiter Richtung Tingri. Im Gegensatz zum vorigen Tag wurde es nicht warm, so dass wir in unserem ungeheizten Auto ziemlich gefroren haben. Wieder etwas, was uns an unserer Tour ziemlich genervt hat, schließlich ist es nicht so schwer ein Auto zu heizen... Auf unserem Weg haben wir einen über 5000 m hohen Pass überwunden und sind auch kurz ausgestiegen.
Die Pässe in Tibet sind immer über und über mit Gebetsfahnen behangen. Auf die Fahnen sind Gebete gedruckt, die durch den Wind zu den Göttern getragen werden sollen. Die verschiedenen Farben stehen für unterschiedliche Elemente wie Feuer, Luft, Wasser, Erde.
Der extreme Wind und die dadurch vorhandene unglaubliche Kälte hat uns schon noch ein paar Minuten vollkommen fertig gemacht. Ungläubig haben wir kurz darauf dick eingemummelte Schäfer beobachtet, die ihre Yakherden durch diese unwirtliche Landschaft getrieben haben.
Der Ort Tingri tauchte dann abends einfach so im Nichts auf. Eine lange Straße, links und rechts ein paar Häuser, das war's. Unser Hostel war klein und fein, wir einem windigen Außen-Plumpsklo und "fließend" Wasser aus der Thermoskanne. Da man angeblich bei gutem Wetter den Everest sehen könnte, sind wir mit Iris zu einer kleinen Anhöhe gelaufen, aber leider war es bewölkt und wir waren uns nicht sicher ob wir den "Berg der Berge" gesehen haben.


An unserem vorletzten Tag ging es um alles oder nichts. Schon vor der Abreise aus Chengdu wurde uns erklärt, dass der Straßenabschnitt hinter Tingri so exponiert auf einem Pass liegt, der total verschneit und zugefroren sein kann, so dass wir im schlimmsten Fall nach Lhasa zurückfahren müssen. Von dort hätten wir dann ein unglaublich teures Flugticket nach Kathmandu kaufen müssen... 
Schon nach einer Stunde mussten wir das Schlimmste befürchten, da die Landschaft wirklich wie ausgewechselt war und der Schnee teilweise 30 cm hoch auf der Fahrbahn lag. Der schlimm vereiste Straßenabschnitt kam dann auch und unser Auto hat es in den ersten Anläufen nicht gepackt. Wie auch, mit abgefahrenen Sommerreifen und ohne Schneeketten...?!? Wir sind alle raus und haben versucht zu schieben, sind aber nur auf dem Eis ausgerutscht und konnten nichts machen. Ein Fahrer eines anderen Wagens hat dann unserem Driver erklärt, wo noch ein wenig Sand auf der Fahrbahn liegt und man sozusagen "Anlauf" nehmen kann. Unser Wagen fuhr also zurück, der Driver fand die Stelle, preschte los und schlidderte mehr oder weniger kunstvoll an uns Wartenden vorbei, aber immerhin war der Abschnitt überwunden und es ging weiter! Die Weiterfahrt wurde noch sehr rutschig und eisig, aber immerhin kamen wir am Ende des Tages am Grenzort Zhangmu an. Wir waren alle ziemlich erledigt von der langen Autofahrt und dem wechselhaften Wetter, da es in Zhangmu mindestens zehn Grad wärmer war als noch am Morgen in Tingri und es zudem regnete. Tara führte uns wieder in ein Hotel, das aber so ranzig war, dass wir uns geweigert haben einzuchecken und auf eigene Faust eine Unterkunft gesucht haben. Diese war zwar auch nicht besser, aber wir begnügten uns mit dem Gedanken, Tara um ihre Provision gebracht zu haben. Nun ja, bei unserem aufgesetzten "Abschiedsessen" mussten wir dann aber feststellen, dass sie uns in das Restaurant ihres ersten Hotels geführt hatte... Den Rest des verregneten Tages haben wir mit Iris im Aufenthaltsraum eines dritten Hotels verbracht, da unser Hotelzimmer viel zu klein war und unsere eigene Hotellobby zu kalt. Am Abend erklärte uns Tara dann, dass der Tingri-Straßenabschnitt nun tatsächlich unpassierbar sei und sie vorerst in Zhangmu bleiben müsse. Echt unglaublich, was wir für ein Glück hatten! Einen Tag später und wir hätten zurück fahren müssen.

Endlich ging es am nächsten Morgen zur Grenze. Wenn wir schon dachten, dass die Einreise nach China kompliziert gewesen wäre, wurden wir nun eines Besseren belehrt und lernten, dass die Ausreise weitaus schwieriger ist. Unser gesamtes Gepäck wurde sage uns schreibe dreimal von verschiedenen Beamten durchwühlt! Am Tollsten fanden Iris und ich den Grenzbeamten, der keine Tampons kannte und ganz interessiert darauf rumgedrückt hat und uns tatsächlich fragte, wofür das sei. Nach wir ihm den Zweck verdeutlicht hatten, erklärte er mit hochrotem Kopf mein Gepäck für "sauber", während Iris aber ihr Tibet-Guidebook wegen "misleading information" abgenommen wurde (die gedruckte Unterschrift des in China verbotenen Dalai Lama befand sich darin). Sven musste alle Technikgeräte auspacken, erklären und rechtfertigen warum er die mithatte. Meine Güte!
Endlich konnten wir uns von Tara und dem Driver verabschieden und die sogenannte Friendship-Bridge nach Nepal überqueren. Peter und Dean waren schon längst ohne Gruß verschwunden und wir waren ernsthaft überrascht, die beiden beim Immigration Office wiederzutreffen. Offensichtlich wollten sie mit einem Privatjeep nach Kathmandu reisen und brauchten noch Leute um den Wagen vollzukriegen. Wir waren dem Jeep auch nicht abgeneigt, mussten aber bestimmt eine Stunden lang um den Preis verhandeln bevor es losging.



Wir wissen nicht so richtig, ob wir ein Fazit für Tibet ziehen können. Natürlich ist eine Reise in einem Land wie Tibet, eine großartige und außergewöhnliche Erfahrung. Es gibt so viel zu sehen, zu verstehen und zu lernen. Doch reichen sieben Tage allenfalls für einen Blick auf die Oberfläche des Ganzen. Wenn man sich aber ein bisschen mit Tibet beschäftigt und sich vor Augen führt, dass das Lhasa, was Heinrich Harrer in seinen "Sieben Jahre in Tibet" beschreibt, gerade mal 60 Jahre alt ist, kann man nur traurig den Kopf darüber schütteln was die Chinesen in dieser Zeit aus dem Land und seinem Glauben gemacht haben.
Die Chinesen selbst glauben, dass sie den Fortschritt nach Tibet gebracht haben und man ihnen deshalb dankbar sein sollte. In der Biografie des Dalai Lama oder Wiedersehen mit Tibet auch von Heinrich Harrer kann man nachlesen wie sie dabei vorgegangen sind, und gerade wenn man die schwer bewaffneten Soldaten zwischen den betenden Pilgern sieht, kann man sich sehr gut vorstellen, dass es nicht übertrieben beschrieben wird.
Es ist in Deutschland schwer vorstellbar, dass Bilder oder Schriften des Dalai Lama, dem Oberhaupt der Tibeter, hier verboten sind. Das Internet ist zensiert und die Bildersuche generell gesperrt. In heiligen Seen Tibets werden Wasserkraftwerke gebaut. Und mittlerweile leben in Tibet mehr Chinesen als Tibeter.
Uns als Touristen hat extrem die Schikane mit Guide und Driver gestört und die ewigen Kontrollen auf den Straßenabschnitten. Trotz allem war es spannend einen Teil des alten Tibets zu sehen und zu erleben.