Durch meinen unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt hatten wir ja unseren Flug nach Myanmar verpasst und das Land schon mehr oder weniger von unserer Reiseroute gestrichen. Aber als der Arzt dann vier Tage vor dem eigentlich geplanten Abflug aus Myanmar sagte, dass ich entlassen werden könnten, entschieden wir uns spontan wenigstens ein paar Tage dort zu verbringen. Spontan hieß in diesem Fall um 11:00 Uhr den Flug gebucht, um 12:00 Uhr aus dem Krankenhaus ausgecheckt, direkt zum Flughafen gefahren und um 16:25 Uhr abgeflogen ;) Wir hatten ja alles andere schon organisiert: das Visum für Myanmar war bezahlt und der Rückflug nach Bangkok mit Anschluss nach Phnom Penh war ebenfalls gebucht. Außerdem war unser Visum für Thailand bereits abgelaufen und wir mussten dringend das Land verlassen.


Wir sind also mit dem schicken Skytrain zum neuen ultramodernen Flughafen gefahren, haben die ineffizienteste und langwierigste Passkontrolle unserer Reise erlebt, mussten 75 Euro Strafe für die Visumsüberschreitung abdrücken, sind rein ins Flugzeug und wurden... KAWOOOOM... in eine andere Zeit katapultiert! Angekommen in Yangon war unser erster Gedanke: "Hier ist es ja wie in Indien." Es gab wieder viele verlauste Straßenhunde und die Armut der Menschen war deutlich spürbar. Alles war alt, dreckig, kaputt und auch ein wenig stinkend. Der Eindruck verstärkte sich leider auch in unserem "Hotelzimmer", nur dass es hier wesentlich teurer als in Indien war. Irgendwie waren wir erstmal enttäuscht, wahrscheinlich durch den Kulturschock vom sauberen Krankenhaus und durch unsere hohen Erwartungen an das Land. Abends waren wir dann beide ziemlich kaputt. Dennoch rafften wir uns noch mal auf was zum Essen zu finden. Eigentlich eine leichte Sache, aber es war schon nach 19:00 Uhr und wir sollten die Erfahrung machen, dass in Myanmar die Bürgersteige früh hochgeklappt werden. Der Grund dafür liegt bestimmt auch an der mangelnden oder schlichtweg nicht vorhandenen Straßenbeleuchtung. Wir fanden es schwer uns zurecht zu finden, mussten ständig auf den Boden gucken um nicht in große Löcher im Bürgersteig zu fallen und lebendige Nachtmärkte und Straßenstände, bei denen in anderen Ländern ohne Probleme auch um 22:00 Uhr noch was essen kann, gab's hier auch nicht. Irgendwann haben wir dann aber doch noch ein Restaurant gefunden und das chinesische Essen war entgegen unseren Befürchtungen wirklich richtig gut.

Am nächsten Tag mussten wir schon wieder auschecken, da das Hostel für die nächsten Tage ausgebucht war. Wir waren nicht sonderlich böse, denn unser Zimmer war extrem hellhörig und wir hatten durch die lärmenden Angestellten nur eine kurze Nacht gehabt. Wir hatten uns am Vorabend entschlossen für zwei Tage zum "Golden Rock" zu fahren, der etwa 5 Stunden von Yangon entfernt liegt. Dazu wollten wir nur mit Handgepäck reisen. Netterweise buchten die Angestellten uns ein Zimmer in einem anderen Hostel und nach einem Frühstück aus Toast, das nach Sägemehl schmeckte, Eiern, Marmelade und einem fettigen Aufstrich, der laut Menü angeblich Butter sein sollte, fuhren wir dorthin, schlossen unser Gepäck ein und machten uns erstmal auf den Weg zur über 2500 Jahre alten "Shwedagon Pagode".



Dort haben wir uns mit einem französischen Pärchen einen Guide geteilt, der zwar sehr viel wusste, aber sein Englisch einen so starken Akzent hatte, so dass wir ganz genau zuhören mussten, was aber bei der brütenden Hitze sehr anstrengend war und wir einfach irgendwann aufgegeben haben. Die Shwedagon Pagode war im Vergleich zu den Stupas, die wir in Tibet und Nepal gesehen hatten, ziemlich eindrucksvoll, was an dem komplett goldenen Anstrich lag. Auch alle Nebengebäude waren voller Gold, Gold, Gold :)


Gekrönt wird die Pagode durch eine fussballgroße Kugel an der Spitze, die über und über mit Edelsteinen besetzt ist, unter anderem mit dem größten Diamanten Myanmars. "Ziemliche Verschwendung" war Svens Kommentar dazu, denn selbst durch die kostenlosen Ferngläser am Fuß des ganzen sieht man davon "nüscht".Trotzdem war der Besuch wirklich klasse! Wir waren nur ganz wenige Touristen und die Burmesen haben sich alle gefreut uns zu sehen. Falls ihr euch fragt was die Leute im Gesicht und auf den Armen haben, die burmesische Gesichtsbemalung heißt Tanaka, stammt aus Zedernholz, macht die Haut weich und schützt angeblich vor der Sonne.




Nach der Besichtigung ging es für uns weiter nach Bago. Das ist eine kleine Stadt zwei Stunden von Yangon entfernt und die Angestellten unseres Hostels hatten uns empfohlen dorthin vorzufahren. Doch zunächst mussten wir noch Geld wechseln. Das ist in Myanmar so eine Sache: der Staat stellt ja eine Militärdiktatur dar, deswegen ist die Diskussion sowieso schon groß, ob man dieses Land bereisen sollte oder nicht. Wir haben versucht "politisch korrekt" zu reisen, d.h. große Hotelketten und Busunternehmen der Regierung zu vermeiden. Die Regierung erlaubt auch keine Geldautomaten. Deswegen mussten wir vorher ausreichend Barvermögen in US Dollar in das Land mitbringen. Unterkünfte und Eintrittsgelder werden in Dollar bezahlt, der Rest in der Landeswährung Kiat. Wechseln kann man das Geld erst seit kurzem in der Bank, weswegen der Schwarzmarkt immer noch blüht. Wir haben daher in einem Hotel gewechselt und für 100 Dollar einen ordentlichen Batzen Scheine bekommen.

Danach ging es zum Busbahnhof und die Fahrt nach Bago in einem Bus, der für Menschen konzipiert ist, die nun mal locker 20cm kleiner sind als wir, war kein Zuckerschlecken. In Bago war es schon stockfinster und wir konnten eigentlich auch nichts machen als Essen gehen. Die Nacht wurde dann fürchterlich: da unsere Unterkunft direkt an der Hauptverkehrsstraße lag, mussten wir versuchen in einem nicht enden wollenden Hupkonzert ein paar Stunden Schlaf zu finden und nebenbei noch ein paar Kakerlaken jagen gehen...
Auf die Tempeltour um 6 Uhr morgens haben wir dann dankend verzichtet. Als wir dann weiter zum Golden Rock fahren wollten, stellte sich heraus, dass der Ausflug nach Bago nicht nur anstrengend sondern auch  Geldverschwendung gewesen war, da wir von Bago trotzdem die gesamte Busstrecke von Yangon aus zahlen mussten, um Anspruch auf einen Sitzplatz zu haben. Wenigstens haben wir ein nettes italienisches Paar im Bus kennen gelernt, Paolo und Monica. Nach einer weiteren dreistündigen Fahrt durch landwirtschaftlich geprägtes Gebiet erreichten wir Kyaiktiyo. Dort fanden wir schnell eine Unterkunft und machten uns danach auf zum Golden Rock.


Dazu fährt man zunächst 45 Minuten auf einem Truck den Berg hoch um von dort weitere 45 Minuten hochzulaufen, oder für die dekadenten Touristen sich auf Sänften hochtragen zu lassen *kopfschüttel*. Der Truck war mit dünnen Holzplanken für die Sitze ausgestattet, für uns wieder mal ganz schön eng waren. Wirklich schlimm muss das wohl für Paolo gewesen sein, weil der mit seinen fast zwei Metern einfach nicht dem burmesischen Durchschnittsmaß entspricht. Oder anders gesagt: er hätte sich mit den Knien die Ohren zuhalten können :) Die dann folgenden 45 Minuten den Berg hinaufkraxeln waren bei fast 40 Grad schweißtreibend. Der Golden Rock war dann überraschend ausgebaut mit Aussichtsplattform und so, aber trotzdem sehr imposant




Es ist ein vergoldeter Felsen, der auf einem weiteren Felsen liegt, aber so aussieht, als wenn er gleich runterfallen würde. Auf dem Golden Rock ist eine Stupa platziert, die im Inneren ein Haar Buddhas beherbergen soll, was dann dafür sorgt, dass der Felsen nicht abstürzt. Daher ist der Felsen ein Pilgerort geworden und die Menschen haben aus Verehrung begonnen ihn mit Blattgold zu bekleben.. Das kann MANN (ja, richtig geschrieben, ich als Frau hatte nämlich keinen Zutritt :) ) heutzutage immer noch machen und Sven berichtete, dass der Felsen von dem ganzen Gold schon ganz buckelig geworden ist. Generell ist der Ort vielmehr eine Pilgerstätte für Burmesen als eine westliche Touriattraktion, was uns sehr gefallen hat.


Viele Burmesen wollten mit uns ein Foto machen und besonders gefreut haben wir uns über einen kleinen Mönch, der mit uns posiert hat, denn normalerweise sind sie eher scheu. Wir sind nicht zum Sonnenuntergang geblieben, da wir den letzten Truck erreichen wollten. Das haben wir auch gerade so noch geschafft und waren dann abends wirklich fertig. Wieder war der Ort stockfinster und nach einem gewöhnungsbedürftigen burmesischen Essen sind wir schnell ins Bett gegangen.


Am nächsten Tag ging es wieder nach einer viel zu kurzen Nacht zurück nach Yangon. Auf der Fahrt haben sich Monica und Paolo mit einem Burmesen unterhalten, der vollkommen frei und offen über sein Leben in der Militärdiktatur berichtet hat, wie viel Hoffnung er in die kommenden Wahlen steckt, wie sehr die Menschen sich eine Demokratie wünschen, dass er schon willkürlich ins Gefängnis gesteckt worden war usw. Wir haben nur staunend zugehört und waren überrascht, dass der Mann keine Angst hatte, so offenherzig seine Meinung kundzutun.
In Yangon hatten wir zu nichts mehr Lust. Wir hatten seit drei Nächten nicht richtig geschlafen und haben daher den ganzen Tag in unserem "Hotelzimmer" vor uns hin gedöst. Abends waren wir an der Sule-Pagode spazieren und haben doch noch ein bisschen Nachtleben erlebt.

Wir haben in der drei Tagen ja nur einen sehr kleinen Eindruck von Myanmar bekommen, aber die Freundlichkeit der Menschen ist uns wirklich stark aufgefallen. Allerdings fanden wir das Land nicht so faszinierend, wie uns alle immer berichteten haben. Dazu muss man wohl tiefer ins Landesinnere rein fahren und nicht so schnell unterwegs sein. Noch etwas: wir hatten ja Sven zu seinem 30. Geburtstag etwas "ganz Tolles" geschenkt. Tja, das war eigentlich eine Balloonfahrt zum Sonnenaufgang über ein 2000 Jahre altes Tempelfeld in Bagan. Das hätten wir aber in den paar Tagen die uns in Myanmar geblieben sind niemals geschafft und deshalb darf er sich jetzt was anderes wünschen. Mal schauen was es wird. :)