Die Fahrt und der Grenzübertritt verliefen dann ganz normal und wir kamen wie erwartet statt um 18 Uhr erst um 21 Uhr in San Salvador an. Toll, da standen wir dann in einer der gefährlichsten Städte der Welt mit einer durchschnittlichen Mordrate von 13 Menschen pro Tag! Um uns herum war alles dunkel und wir hatten nur eine Hostelempfehlung ohne Reservierung. Der Taxifahrer hat uns dann mit 8 Dollar für 10 min Fahrt so richtig ausgenommen, aber uns dafür auch sicher zu unserem Ziel gebracht. Sven konnte den Zimmerpreis um die Hälfte drücken und wir bekamen ein riesengroßes Zimmer in einem schönen Haus mit voll ausgestatteter Küche. Trotz der späten Stunde mussten wir nochmal los um Wasser und Abendbrot zu besorgen. Das wurde aber eine sehr merkwürdige Erfahrung: wir befanden uns in einer eher nobleren Gegend und alles, wirklich alles war verriegelt und verrammelt und mit Stacheldraht und Überwachungskameras ausgestattet. Vor den noch offenen Geschäften und an jeder Straßenecke standen schwerbewaffnete Männer als Sicherheitspersonal, es gab kam Straßenbeleuchtung, niemand außer uns war per pedes unterwegs und alle Autos waren komplett verspiegelt und wirkten unheimlich. Wir haben uns nur ein paar Straßenblocks weiter getraut, bis wir umgedreht sind und unser Glück im "World Trade Center" versucht haben. Hier wurde uns dann eine unwirkliche Welt vorgegaukelt: teure Architektur, schicke Restaurants, viele ausländische Menschen, die in den umliegenden Hotels nächtigten und hier ihre Cocktails schlürften als wäre draußen die Welt in Ordnung. Kopfschüttelnd haben wir uns den teuersten, aber auch leckersten Hamburger unseres Lebens bestellt und den Ausblick auf die Stadt genossen. Danach sind wir nur noch todmüde ins Bett gefallen und haben beschlossen am nächsten Tag der Stadt nochmal eine Chance zu geben.


Wir haben lange ausgeschlafen und sind gegen Mittag mit dem "Chickenbus" in das Stadtzentrum gefahren. Chickenbusse sind nichts anderes als alte ausrangierte Schulbusse aus den USA, die es dort nicht mehr durch den TÜV geschafft haben, verschifft werden und nun in ganz Mittel- und Südamerika als öffentliche Busse dienen... Wie eng ein Bus, der für Kinder gebaut ist, sein kann ist euch bestimmt klar. Selbst ich stoße mit meinen Knien an die Vorderbank und Bänke für zwei Schulkinder werden hier von drei Erwachsenen belegt. Aber dafür kosten sie auch nur 'n Appel und 'n Ei. Ach so, und Chickenbusse heißen sie natürlich, weil die Marktfrauen alles, auch lebendige Hühner, im Bus mitnehmen.
Das Stadtzentrum war in unseren Augen absolut nicht lohnenswert. Es war dreckig, extrem laut, heiß und wir haben uns nicht wohl gefühlt. Trotzdem waren wir auf einem riesigen Markt und haben nochmal Zutaten für eine superleckere Pastasoße gekauft, die wir dann abends gekocht haben. In unserer Unterkunft waren noch 2 Deutsche und 2 Kanadier, die eine Woche in San Salvador bleiben wollten, weil das Nachtleben hier so toll sein soll. Aber wir konnten uns dafür mal wieder nicht begeistern, außerdem hätten die uns wohl mit unseren Turnschuhen eh nicht in den Club reingelassen ;)