Die netten Ausdünstungen eines Chickenbusses...

Am nächsten Tag haben wir extrem lange gebraucht um endlich loszumachen, da wir unsere Bilder noch auf unsere Online-Festplatte hochladen mussten. Dann mussten wir noch Essen machen, Kontaktlinsenflüssigkeit kaufen usw. und sind schließlich erst am Nachmittag losgefahren. Es sollte zum Surfen nach El Tunco gehen. Ein Geheimtipp ;) aus dem Lonely Planet... Wir entschieden uns wieder für den Chickenbus. Wie zu erwarten lief das Ganze auch völlig problemlos ab. Der Busschaffner bestand zwar darauf, dass wir den Extrasitz, den wir für unsere Rucksäcke brauchten, auch bezahlen sollten, aber damit kostete dann die knapp dreistündige Busfahrt trotzdem nur 1,25 US-Dollar... zu verschmerzen wie wir fanden!

Angekommen in El Tunco stellte sich der Geheimtipp als gar nicht so geheim raus. Obwohl es sehr viele Hotels und Hostels gab, hatten wir Probleme eine vernünftige Unterkunft zu finden. Doch nach langem Gesuche und vielen schäbigen oder ausgebuchten Zimmern haben wir was Schönes gefunden. Nach dem Einchecken und Duschen waren wir noch kurz am Strand und sind Essen gegangen.


Am nächsten Tag sind wir erst mal in die nahegelegene Stadt in den Supermarkt gefahren. Unser Hostel hatte nämlich eine eigene Küche und wir wollten weiterhin selber kochen. Am Nachmittag sollte es dann eigentlich zum Surfen gehen, aber unserer Surfbrettvermieter war anscheinend gerade selbst surfen und so verbrachten wir den Nachmittag faulenzend im Garten. Da über El Tunco eine regelrechte Hitzeglocke lag, wechselten wir uns aber halbe Stunde mit unserem Aircondition-kaltem Zimmer ab...

Am nächsten Tag war es dann aber soweit: in aller Früh marschierten wir mit Surfbrett und Bodyboard bewaffnet los. Leider stellte sich schon der Weg ins Wasser als ziemlich schwierig heraus. Der "Strand" und der Meeresboden bestanden nämlich aus teilweise fußballgroßen Steinen. Soweit ja nicht schlimm, aber mit jeder Welle wurden diese Steine aufgewirbelt. Sehr schmerzhaft!!! Mit blutigen Zehen stürzten wir uns also todesmutig in die Wellen... leider waren diese aber recht hoch für Anfänger.


Das bin ich leider nicht ;)

Nach ein paar Versuchen und Stürzen ins Wasser merkte ich, dass ich nur wenige Zentimeter neben einem großen Felsen ins Wasser gefallen war und einmal so richtig durchgespült wurde. (Für alle die noch nie in 2 bis 3 Meter hohen Wellen geschwommen sind: wenn die Welle einen überrollt, hat man absolut keine Kontrolle mehr wohin sie einen spült. An Sandstränden kann das wirklich Spaß machen, aber hier mit den Felsen im Wasser kamen mir die Bilder unserer zahnlosen philippinischen Surflehrer in den Kopf...) Als ich dann nur kurze Zeit später nur knapp an dem nächsten Felsen vorbeigespült wurde, entschied ich mich lieber den Tag im Garten zu verbringen anstatt drei Stunden im Rettungswagen zurück nach San Salvador zu fahren. Schon beim Zurückpaddeln sah ich, dass Jule eine ähnliche Entscheidung getroffen hatte. Das Surfen müssen wir dann wohl ein anderes Mal nachholen... am Sandstrand.

Nach diesem Reinfall entschieden wir uns unseren Aufenthalt in El Tunco abzukürzen. Surferorte werden einfach extrem langweilig wenn man nicht surfen will. ;) Also weiter nach Nicaragua. Und genau das stellte sich als schwieriger heraus als geplant...

Der Touristenbus sollte von San Salvador durch Honduras nach Léon in Nicaragua unverschämte 50 US-Dollar pro Person kosten. Hinzu kam eine dreistündige Taxifahrt für 40 US-Dollar von El Tunco zurück nach San Salvador, da der Bus ja unbedingt um 3 Uhr früh losfahren muss und zu dieser Zeit keine Chickenbusse fahren. Als Alternative hätten wir mit dem billigen Chickenbus zurück nach San Salvador fahren können, hätten dort eine Übernachtung zahlen müssen und dann wieder ein Taxi nachts zum Busbahnhof nehmen müssen. So oder so lief es auf etwa 140 US-Dollar hinaus! Diesen Preis wollten wir unterbieten!


Damit ihr mal seht, wie eng so ein Minivan ist...

Also fuhren wir morgens um 6:30 Uhr mit einem Minivan nach San Salvador, fuhren dort mit einem Chickenbus zum Busterminal, stiegen in einen Reisebus bis zu einem Ort kurz vor der Grenze, fuhren mit einem Chickenbus bis zur endgültigen Grenze, reisten in Honduras ein, fuhren in einem Minivan durch Honduras und landeten gegen 16 Uhr an der nicaraguanischen Grenze. Ja, es war anstrengend und heiß, aber letztlich ist ein bisschen Action zwischen dem stumpfsinnigen im-Bus-sitzen auch ganz nett. Und wir hatten bisher für 10 Stunden Rumgefahre nur 29 US-Dollar zusammen bezahlt.

Als wir uns also suchend nach dem nächsten Bus nach Léon umsahen, hielt neben uns ein Fahrer eines schicken Jeeps und fragte uns, ob er uns ein Stück mitnehmen soll. Wir dachten, dass er uns nur zum nächsten Busbahnhof fahren würde, aber nach 15 Minuten Fahrt realisierten wir langsam, dass uns der nette Engländer mit seinem Sohn die ganzen 100 Kilometer nach Léon fuhr! Der letzte Teil unserer Reise war also sehr angenehm im ordentlich klimatisierten Jeep und sehr interessanten Gesprächen. Manchmal muss man auch mal Glück haben :) In Léon gönnten wir uns dann ein schickes Zimmer und ein leckeres Schawarma.