Unser nächstes Ziel lautete Isla de Ometepe. Die Insel liegt im großen Nicaraguasee und ist vulkanischen Ursprungs. Der Vulkan Concepión ist noch sehr aktiv, während der Vulkan Maderas angeblich erloschen ist. Die Vulkane stehen dicht nebeneinander und durch die sie umgebende Landmasse sieht die Insel aus wie eine Acht. Da uns das Pferdereiten in Guatemala so viel Spaß gemacht hatte, hatten wir schon im Vorfeld einen Reitausflug mit Übernachtung bei "Haris Horses" gebucht. Die Fahrt zur Isla de Ometepe war lang, da wir erst zwei Stunden mit dem Chickenbus nach Rivas, dann 15 min mit dem Taxi nach San Jorge und dann eine Stunde mit der Fähre fahren mussten. Währenddessen lernten wir Oksana aus Russland/USA kennen, die noch überhaupt nicht wusste, wohin sie wollte. Sie stieg dann mit uns in den Chickenbus auf der Insel, der uns drei Stunden zum Ort Mérida fahren sollte. Die Fahrt verzögerte sich aber, da der Fahrer beim Losfahren feststellte, dass die Bremsen nicht funktionierten (!) und sie erst noch repariert werden mussten. Oksana hatte also viel Zeit sich zu entscheiden doch mit uns zu kommen, obwohl sie noch nie in ihrem Leben auf einem Pferd gesessen hatte. Die Fahrt im Chickenbus war natürlich sehr anstrengend, aber wir konnten uns einen guten Eindruck von der Insel verschaffen und haben auch immer wieder einen sehr schönen blau-weißen Vogel gesehen, der dort sehr verbreitet ist.


Am Abend erreichten wir endlich das Gatter, das zu "Haris Horses" führen sollte. Wir liefen neugierig den Matscheweg lang und erblickten das erste Wohnhaus der Anlage. Erster Gedanke: "Das kann doch nur einem Deutschen gehören". Sorry für dieses Klischeedenken, aber es sah einfach zu sauber und ordentlich aus, als das es nicaraguanischer Standard sein könnte. Und tatsächlich: Hari heißt in Wirklichkeit Helge und ist mit 17 Jahren aus Deutschland ausgewandert. Seine Lebensgeschichte war unglaublich und sie wiederzugeben würde hier eindeutig zu weit führen, deswegen müsst ihr alle selbst hinfahren und sie euch anhören! Wir wurden herzlich willkommen geheißen und bekamen ein wunderschönes Zimmer und sehr leckeres Abendessen mit Gemüse aus dem Garten. Die ganze Anlage lag wunderschön am Hang des Vulkans Maderas in üppiger Vegetation. Wir konnten mit Haris' komischen haarlosen Hunden und den frechen Papageien spielen und einigten uns auf einen gemütlichen Reitausflug zu einem Wasserfall.
Am nächsten Morgen brauchte ich leider ewig bis ich fertig wurde, da ich mit einem Skorpion zu kämpfen hatte, der es sich im Tragegestell meines Rucksackes bequem gemacht hatte und dort auch partout nicht mehr rauskommen wollte. Auch wenn Hari meinte, dass so ein Skorpionstich nicht sooooo doll weh tue, wollte ich das Biest da raus haben. Leider sah der Skorpion das anders und nach fast einer Stunde haben wir das arme Tier dann mit einer Stichflamme aus einer Kombination von Feuerzeug und Haarspray töten müssen... Danach war es schon so spät geworden, dass wir zur beginnenden Mittagshitze los sind, was natürlich nicht toll für die Pferde war. Also, wie ein Tierfreund hab ich mich nicht mehr gefühlt...


Bei Hari wird im Westernstyle geritten, was wir alle nicht kannten. Der grobe Unterschied zu dem englischen Reitstil besteht etwa darin, immer zu versuchen auf dem Rücken des Tieres sitzen zu bleiben, die Bewegungen mitzumachen, die Beine lang zu halten und nur eine Hand an den Zügeln zu haben, die andere schwebt frei in der Luft. Nun ja, sagen wir mal so, wir haben uns alle eifrig bemüht bei dem holprigen Trab der Pferde so cool wie Hari im Sattel zu sitzen, aber der meinte dann nur verschmitzt, dass er eigentlich immer ohne Sattel reite... :) Wir ritten zuerst am Ufer des Sees entlang, bis wir zu einer geraden Schotterpiste kamen, wo Hari die Pferde zum "Kanter" gebracht hat. Der Kanter ist ein leichter, lockerer Galopp und fühlte sich fantastisch an! Nicht wild und stürmisch, sondern wie auf Wolken sind wir einhändig dahingaloppiert, bis wir zum Eingang des Wasserfalls kamen. Da Hari einer der wenigen Pferdebesitzer auf der Insel ist, der die Hufe seiner Tiere beschlagen lässt, konnten wir auch noch den engen Waldweg hinaufreiten, anstatt zu Fuß weitergehen zu müssen. Die Hitze brannte mittlerweile auf unseren Köpfen und wir freuten uns auf den kühlen Wasserfall, der auch wirklich herrlich erfrischend war. Die Pferde ruhten sich währenddessen aus. Wir müssen auch sagen, dass Oksana anscheinend ein Naturtalent war, denn man merkte ihr überhaupt nicht an, dass dies ihr erstes Mal war.

Danach ging es auch schon wieder zurück, aber kaum waren wir aus dem friedlichen Wald heraus, hörten wir schon dumpfes Donnergrollen und konnten gerade noch rechtzeitig unsere Kamera in eine Plastiktüte stopfen, als schon ein Platzregen von unglaublichen Ausmaßen auf uns niederprasselte. Leider hatten wir noch einige an Kilometern vor uns und so ritten wir durch den peitschenden Regen ohne was zu sehen, unsere nassen Klamotten scheuerten auf den Ledersatteln und es wurde durch den Wind auch deutlich kühler. Nach 20 min waren wir dann aber wieder zu Hause, wo uns eine heiße Dusche erwartete - was für eine Wohltat! Abends gab es leckeren Fisch aus dem See und wir wären gerne länger geblieben, aber leider war Hari für die nächsten Tage ausgebucht. Uns hat alles so gut bei ihm gefallen, dass wir es euch uneingeschränkt weiterempfehlen können!




 

 

Am nächsten Morgen fuhr uns Hari gegen einen kleinen Obolus über eine fürchterliche Straße zur Ecolodge "El Zopilote". Das sollte eine schöne Ökoanlage sein, von Italienern geführt, mit Pizza und Brot. Als wir dort ankamen, klang das alles nicht mehr so toll. "Öko" bedeutete wohl für die Besitzer wohl nur den Bau mit billigem Material und die Nichtbeschäftigung einen Reinigungskraft anstatt Leben im Einklang mit der Natur. Sven und ich bekamen zwar ein witziges Haus auf Stelzen, das nur durch eine Falltür mit Leiter betreten werden konnte, aber dafür mit so viel Ungeziefer und Viehzeugs wie man es sich vorstellen kann. Oksana schlief im Dorm, das nicht viel besser war und hatte noch nicht mal ein Moskitonetz. Es gab nur Plumpsklos (und das bei 40 Grad Außentemperatur!), Duschen ohne Tür und Privatsphäre, das Brot war fünf Tage alt und Pizza gab es erst wieder in den nächsten Tagen...


Schicksalsergeben habe wir die Hängematten vom Dreck gereinigt und den Nachmittag vor uns hingebaumelt. Am späten Nachmittag streiften wir ein wenig durch die riesige Anlage und entdeckten ein paar Petroglyphen (in Stein gearbeitete Felsbilder aus prähistorischer Zeit). Danach entdeckten wir etwas weniger erfreuliches: über die Anlage krabbelte ein riesiger Ameisenteppich. Die sog. "Cleaner Ants" säuberten alles was ihnen in den Weg kam, Skorpione waren innerhalb von Sekunden tot und alle anderen Käfer, Nager, Vögel und sonstige Tiere nahmen panisch reißaus. Auch wir hielten vor der bestimmt 3x3 Meter breiten Invasion respektvollen Abstand, wussten wir doch wie höllisch weh so ein Biss von einer exotischen Ameise tut. Entsetzt sahen wir wenige Minuten später zu wie die Masse auf unser Stelzenhaus zuströmte! Wie die Bekloppten rannten wir hinterher, waren im Zimmer schon umzingelt von den Biestern, die wohl in unserem Strohdach irgendetwas gerochen haben was es zu entsorgen galt. Hektisch stopften wir die Rucksäcke in unsere Transporttaschen und verließen unser Häuschen. Wir baten um ein neues Zimmer, aber unser Wunsch wurde mit der Begründung abgelehnt, dass das die Natur wäre. Toll, da saßen wir dann im Garten der Anlage, umgeben von Mücken und lauter komischen alternativen Leuten, die sich beispielsweise bei jedem Käfer entschuldigten auf den sie traten oder sich für fünf Tage Aufenthalt auf der Lodge nur einen Laib Brot kauften und ansonsten sich von wilden Mangos und Bananen ernährten um Geld für Alkohol zu sparen?!?

Nach einiger Zeit verließen die Ameisen unser Domizil tatsächlich wieder und wir machten uns mit Oksana auf zum Essen kochen. Doch leider verdient die Küche nicht den Namen Küche, Drecksloch wäre wohl angemessener. So etwas widerliches und abgeranztes haben wir im Leben nicht gesehen! Überall krabbelten daumengroße Käfer oder sie fielen von der Decke in die Töpfe und Pfannen, zwischen dem Geschirr versteckten sich Kakerlaken, um uns herum zahllos Mücken und Fliegen, alle Kochutensilien waren verdreckt, verrostet und angebrannt - einfach ekelhaft! Sorry, es war einfach eine Frechheit das noch als öko verkaufen zu wollen! Irgendwie haben wir es geschafft einen Topf sauber zu schrubben und konnten schnell unseren Reissalat kochen. Danach quatschten wir alle noch eine Weile, aber uns flogen ständig diese ekeligen Käfer ins Gesicht und wir gingen früh ins Bett. Tja, was sollen wir sagen: die Nacht war sehr sehr unangenehm, weil trotz Moskitonetz überall auf uns Viecher krabbelten. Am nächsten Morgen wollten wir nichts anderes als auschecken: ich hatte vor Ekel einen Herpes bekommen und Oksana kam uns mit verheultem Gesicht entgegen, weil sie in Geckokot schlafen musste und von Flöhen, Wanzen und Käfern zerbissen worden war! Wir packten also und fuhren mit dem Chickenbus zurück zum Fähranleger und waren gegen Mittag schon zurück in der Stadt Rivas und kurz darauf im Chickenbus zur Grenze nach Costa Rica.


Abfahrt
Abfahrt

lecker, oder?!?