Svens Geburtstag musste leider um 3.30 Uhr morgens beginnen... Wir fuhren mit einem Allradantrieb-Van über 2 Stunden zur Atlantikküste. Da wir so müde waren, haben wir die Serpentinen-Straßen verpennt, sehr zu unserem Glück, denn unsere Mitreisenden waren alle recht blass um die Nase. Die "Einreise" in das Kuna-Gebiet verlief dann unkoordiniert und sehr unherzlich. Wir lernten Eulogio kennen, den Besitzer der Hook Island, der mit uns erstmal zu den vier Hauptinseln Carti fuhr. Dort warteten wir dann sehr lange, bis es endlich weiter ging. Es war ziemlich krass mitansehen zu müssen, wie ärmlich die Menschen dort wohnten. Die Hütten erinnerten uns doch sehr stark an die Slums in Indien...

Die Hook Island war dann aber sehr nett, aber ziemlich stark mit Palmen zugewuchert, so dass der Paradieseindruck nicht soooo stark war, aber wir wollen ja nicht meckern :) Auf der Insel lebten nur drei weitere Familien, die aber leider nur ihre eigene Sprache und ein paar Brocken Spanisch und Englisch sprachen. Wir bekamen erstmal eine Hütte zugewiesen, fragten Eulogio aber sofort nach dem Anblick der feuchten und dreckigen Matratzen, ob wir nicht in einem Zelt schlafen könnten.




Er war anfangs sehr freundlich und meinte, dass er das gerne arrangieren würde, obwohl wir dadurch Anspruch auf einen günstigeren Preis hatten. Eigentlich hätte dann sofort unser Tagesausflug, der im Preis inbegriffen war, beginnen müssen, aber wir waren nicht böse als Eulogio vorschlug, dass wir uns erstmal ausruhen sollten und der Ausflug nur am Nachmittag stattfinden sollte. Wir haben uns also faul in die strahlende Sonne gelegt und entspannt :) Kein Strom, keine Straßen, kaum Boote, Natur pur, seufz... Zum Mittag gab es frisch am Strand gefangenen Langusten, die wirklich sehr lecker waren.


Danach hatte Eulogio keine Lust mehr auf den Tagesausflug und wir wurden zum ersten Mal stutzig. Er versprach uns aber hoch und heilig, den Tagesausflug am nächsten Tag nachzuholen, auch wenn wir nicht mehr auf seiner Insel bleiben würden. Die Übernachtung war nämlich so teuer, dass wir schon im Vorfeld gesagt hatten, dass wir nur eine Nacht bei ihm bleiben würden. Nun gut, dafür chillten wir weiterhin am Strand. Abends gab es nochmal Fisch und das Zelt wurde von einem Fischer vorbeigebracht.Obwohl es diese Bezeichnung nicht mehr verdient hatte, denn es war unvollständig und alt und wir konnten es nur mit Mühe und vielen Tricks überhaupt aufbauen. Am Horizont zog dann auch noch ein Unwetter auf, das sich schon den ganzen Tag lang abgezeichnet hatte. In weiser Voraussicht spannten wir unsere extra gekaufte PVC-Plane noch zusätzlich über das Zelt. Dann wollten wir dem in einem Bottich gesammelten Wasser "duschen" gehen, mussten aber feststellen, dass sich die drei Familien die gesamten Wasservorräte abgeschöpft hatten. Na ja, ein Tag mal mit Salzwasser auf der Haut schlafen gehen, würde uns ja nicht umbringen und daher holten wir die Flasche Rum aus dem Rucksack und stießen auf Svens Geburtstag an :)


Nur eine Stunde später prasselte dann aber das Gewitter auf uns herab... Und zwar in Strömen! Anfangs war das noch ganz lustig, wir konnten sogar im Regen "duschen", aber es wurde immer heftiger und wir krochen in das Zelt. Aber das war ein witzloses Unterfangen, denn es regnete bereits durch und unsere Sachen schwammen in den Pfützen im Zeltinneren! Was für ein Schrott! Also brachten wir uns und unsere Sachen in die nächste leere Bambushütte. Hier waren wir aber auch nicht komplett geschützt, denn es peitschte durch die nur mit einem Bettlaken verhangenen Türen und es tropfte durch das Dach aus maroden Palmwedeln... Die Matratzen stanken nach Schimmel und wir waren ernsthaft entsetzt wie wenig man auf den San Blas Inseln für sein Geld bekam. Glücklicherweise hatten wir unsere Isomatten mit. Kaum hatten wir uns schlafen gelegt, ging der Sturm aber erst richtig los! Es war so krass, ihr könnt euch bestimmt nicht vorstellen, wie laut und grell ein Blitz ist, der fünf Meter neben einem EINSCHLÄGT!!! Ich hatte wirklich Angst! Wir konnten nirgends hin, kein Haus, nix, nur unsere windschiefe Hütte. Immer neue Blitze schlugen auf der Insel ein und der Sturm dauerte die ganze Nacht. Mit extrem wenig Schlaf erkundigten wir am nächsten Morgen die vollkommen veränderte Insel: Palmen waren umgestürzt, ein tiefer See hatte sich auf der Insel gebildet, überall lag Treibgut und die Insel war völlig verwüstet.


Und zur Krönung des ganzen stand da auch noch Eulogio, der erstens mehr Geld haben wollte, weil wir nun doch in der Hütte geschlafen hatten, den Tagesausflug würde er auch nicht mit uns machen, wenn wir nicht noch eine weitere Nacht blieben und Frühstück sowieso nicht. Sprich, er verweigerte uns alle Leistungen, für die wir bereits gezahlt hatten! Naja, die darauffolgende Diskussion führte zwar dazu, dass uns Eulogio einen Anteil des Geldes zurückgab, aber er fuhr dann einfach mit seinem Boot ab und erklärte uns mit einem hämischen Grinsen, dass wir nun auf seiner Insel gefangen wären und wir solange kein Essen und Transport bekämen, bis wir weitere Nächte bezahlten!!! Und weg war er. Unglaublich, oder?!? Ein Glück hatten wir genug Kekse und Wasservorräte mit! Frisch gestärkt überlegten wir uns einen Schlachtplan und da die Hook Island ein beliebtes Tagesausflugsziel war, fragten wir drei verschiedene Reisegruppen, ob die uns wieder mit zurücknehmen würden. Aber selbst gegen Bezahlung machte das keiner von denen. Gegen Mittag hatten wir genug. Sven fand ein altes Surfboard und ein kleines Ruder und paddelte kurzentschlossen zur Nachbarinsel und handelte mit dem dortigen Besitzer einen neuen Schlafplatz für uns aus. Als er wieder da war, erklärten wir den Kuna-Familien auf der Hook Island, dass sie uns und unser Gepäck bitte in ihrem Einboot rüberpaddeln sollten. Das haben sie dann auch gemacht und wir hatten den Eindruck, dass es ihnen diebische Freude bereitete, Eulogio eins auszuwischen :)



Somit landeten wir auf der viel schöneren und freundlicheren Needle Island auf der zwar nur eine Familie lebte, die aber aus ungefähr 30 Leuten bestand. Wir wollten nicht wieder in so einer nassen Hütte schlafen, weswegen die Kuna-Indianer für uns zwei Hängematten unter einem überdachten Essplatz aufspannten und wir die nächsten Nächte darin schliefen. So schlafen dort die Kunas, und siehe da luftig, kuschlig, trocken. Perfekt!
Die Kuna-Indianer sind sehr verschlossen, aber nach ein paar Tagen auf der Insel hatten sie uns in ihr Herz geschlossen und uns sogar zweimal zum Essen eingeladen.

Die Needle Island ist zumindest mit ein paar wenigen Annehmlichkeiten für Touristen ausgestattet, denn es gab durch Solarenergie Strom und somit kalte Getränke. Ebenso gab es riesige Wassertanks voll mit Regenwasser und abschließbare Duschkabinen und sogar Toiletten. Die Familie kümmerte sich auch sehr um die Insel, harkte sie täglich, sammelte die Kokosnüsse auf usw. Eine Paradiesinsel sieht halt nur paradiesisch aus, wenn man sich auch drum kümmert - das haben wir auf der Reise bereits schon mehrfach erlebt. Wir haben die nächsten Tage sehr sehr sehr genossen und nichts anderes gemacht als am Strand rumgammeln, lesen, Hörspiele hören, abends am Lagerfeuer am Strand sitzen und viele Fotos machen! :) Auf eine andere Insel wollten wir dann gar nicht mehr.





Wir verabschiedeten uns endgültig vom Strand... Ebenso von der Reise... wir konnten abends, wenn wir vor einem fantastischen Sonnenuntergang, mit einer Kokosnuss am Lagerfeuer saßen, vor uns die Delfine im Wasser schwammen und der Horizont weit entfernt lag, kaum vorstellen, dass die gesamte Reise in wenigen Tagen vorbei sein sollte...



Nach einer knappen Woche kam dann aber der Tag der Abreise. Für uns ging es nochmal für wenige Tage nach Panama City. Die Ausreise aus dem Kuna-Territorium verlief ebenso chaotisch wie die Einreise und leider erlebten wir auch dieses Mal die fürchterlichen Serpentinenstraßen mit.
Als Fazit kann man sagen, dass die San Blas Inseln wirklich schön sind, aber auch sehr teuer. Um wirklich was von der Inselwelt zu sehen, sollte man wohl eher einen Segeltörn buchen, um die ganze Schönheit des Archipels zu erfahren.